Julia Belot - Interview

 
 

Julia Belot. Im Gespräch
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Avantgarde
Das Executive Magazin von plenum Institut 

     
Welche Botschaft möchten Sie mit Ihren Werken zum
Thema "Mensch" vermitteln?

     
Ich möchte gerne den positiven Kern, der in jedem Menschen
steckt,
malerisch sichtbar machen, bloßlegen, zeigen. Ich
spüre dies
am Intensivsten bei alten Menschen und Kindern.
Deshalb male ich sie überwiegend. Kinder, die sich noch
nicht
verstellen können, die sich öffnen können, so wie sie sind
und die alten
Menschen, die durch ihr Leben weise, geduldig
geworden sind; die uns lieb und offen entgegenkommen,
nicht verbittert.
     
Was inspiriert Sie?
  
Die Begegnungen mit Menschen. Die Natur. Die Kunst.
Die Musik.
Häufig kommt dies alles zusammen, wenn ich auf
eine Reise gehe.
   
Woran orientieren Sie sich in Ihrer Arbeit?
          
An der inneren Freude daran.
 

Was können Unternehmen und Führungskräfte von
Künstlern lernen?

          
Das sind keine Gegensätze. Erfolgreiche Künstler sind
Unternehmer und manche Unternehmer, jene die richtig gut
sind, auch Künstler.
   
Was macht Ihnen Mut?
     
Die Gedanken an die Menschen, die es geschafft haben, zu
überleben. Die Gedanken an meine Großeltern, die durch den
Krieg gekommen sind, an meine Eltern, die im Krieg geboren
sind. Die Begegnungen mit Menschen in armen Ländern, die

unter ganz schweren Umständen leben und dennoch Ruhe
und Weisheit besitzen.
             
Wer oder was beeindruckt Sie?
            
Das, was ich male. Die Menschen. Die Natur. Es ist die Kraft
der Natur, die uns auf unseren Platz verweist, so wie ich sie
auf den Expeditionen zu den Inseln im Japanischen Meer zu
spüren bekommen habe, wenn das Wasser Felsen von Tonnen-
gewicht bewegt und den Meeresboden bei jeder Welle meter-
tief freilegt. Aber auch jede Blume in ihrer Einzigartigkeit.
Und
die Musik, die die Schwingung all dessen in sich verkörpert.

Die Tiere in ihrer determinierten Perfektion.
           
Worauf sind Sie stolz und warum?
     
Dass ich Malerin bin. Dass ich genau nur das im Leben tue,
was ich tun wollte. Für eine Emigrantin in erster Generation
mit einem Kind ist das keien Selbstverständlichkeit. Ich bin
sehr froh darüber, dass mein Leben so ist, wie es ist.
              
Welcher Persönlichkeit der Weltgeschichte wären Sie
gerne persönlich begegnet und warum?


Artemisia Gentileschi, die als erste Künstlerin 1616 in die
Accademia dell'Arte del Disegno in Florenz aufgenommen
wurde. Sie hat die von Männern geprägte Malerei in ihrer
Zeit bereichert und erschüttert.
            
Was verbindet Kunst mit der Zukunft unserer Gesellschaft?
          
Kunst ist etwas, was aus unserem Leben nicht weg zu denken
ist. Sie ist schon immer ein Bestandteil unserer Gesellschaft,
in der Vergangeheit, in der Gegenwart und damit auch in der
Zukunft. Sie existiert, seitdem es Menschen gibt und es wird 
Kunst geben, solange die Menschen existieren. Kunst spiegelt
die Gesellschaft und erschafft Szenarien der Zukunft.
          
Was zeichnet Avantgardisten aus?
           
Avantgardisten machen den ersten Schritt über die Grenzen
hinaus. Sie denken quer, oft gegen den Strom und übergreifend.
Sie erkennen etwas früher, sehen vora
us, was alle anderen erst
irgendwann erkennen. Sie überwinden Widerstände und erobern
so neue Bereiche.



Quelle: Avantgarde, plenum AG, Nr.1, 2011, Seite 44-45, ISSN867-623

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